Verborgen in Bucheinbänden –Fragmente jüdischen Lebens in Sachsen.
- 20:00 Uhr
Vortrag von Prof. Dr. Andreas Lehnardt
Die Entdeckung eines alten hebräischen Einbandfragments in Dresden wirft neues Licht auf die Geschichte der Juden in Sachsen. Das Fragment war in Dresden bei wissenschaftlichen Untersuchungen der Bestände des historischen Ratsarchivs aufgefallen. Wegen seines hohen Materialwertes wurde das Pergament wohl um 1620 buchbinderisch recycelt und zu einem Einband für städtische Gerichtsprotokolle verarbeitet. Die seltene Quelle konnte nun identifiziert werden und wird im Rahmen ähnlicher Funde eingeordnet und vorgestellt. Der Fund aus Dresden verweist auf die mittelalterlichen Anfänge jüdischen Lebens in der Stadt und dürfte auf die Zeit zurückgehen, in der nach 1265 eine jüdische Gemeinde existierte, die bis 1411 eine größere Synagoge mit Schule in der Dresdner Altstadt unterhielt.
Ob die Pergamenthandschrift im Kontext von Vertreibungen und Enteignungen an einen Buchbinder gelangte, gehandelt wurde oder sich bis zur Reformation im Bestand einer klösterlichen Bibliothek befand, wird in dem Vortrag erörtert werden. Der Vortrag wird anhand zahlreicher Beispiele die möglichen geschichtlichen Hintergründe verschiedener Funde erläutern und dabei auch einige der besonderes spannenden Funde aus der Region vorstellen.
Prof. Dr. Andreas Lehnardt erhielt 2004 den Ruf an die Universität Mainz auf den Lehrstuhl für Judaistik an der JGU Mainz. Er leitet mehrere wissenschaftliche Projekte zur Geschichte und Literatur der Juden in Deutschland. Publiziert hat Prof. Lehnardt über jüdisches Gebet, Rabbinische Literatur, jüdische Geschichte in den Shum-Städten und mittelalterliche hebräische Handschriften. Er ist Vorsitzender der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen.