Eröffnung der Ausstellung „Zwischen Schutz und Fragilität“
- 18:00 Uhr
Sukkot, das jüdische Laubhüttenfest, erinnert an die Zerbrechlichkeit menschlicher Behausung und die Suche nach Schutz in einer unsicheren Welt. Die Sukka als provisorischer, offener und durchlässiger Bau steht symbolisch für einen paradoxen Zustand: für einen Schutz, der nie absolut ist, sondern immer temporär und prekär bleibt. Gerade in dieser temporären Natur wird ein zentraler Gedanke von Sukkot sichtbar: das Bewusstsein, dass menschliches Leben und all unsere Errungenschaften fragil sind und in einem größeren Kontext existieren. In einer Zeit globaler Krisen, gekennzeichnet durch Krieg, Flucht, Vertreibung, und Klimakatastrophe, erhalten die jahrtausendealte Symbolik und die Tradition von Sukkot eine neue aktuelle Dringlichkeit. Sie verweisen auf gesellschaftliche Realitäten wie erzwungene Migration, das Leben marginalisierter Gruppen in urbanen Räumen oder den fragilen Rückzugsort des Privaten inmitten gesellschaftspolitischer Spannungen.
Die Ausstellung „Zwischen Schutz und Fragilität“ greift diese zentralen Themen und Motive von Sukkot auf und präsentiert aktuelle Arbeiten von unterschiedlichen Dagesh-Künstler*innen. In ihren Werken setzen sich die Künstler*innen aus einer zeitgenössischen, mehrdimensionalen Perspektive mit Themen wie Migration, Grenzziehung, Materialität, Erinnerung und dem prekären Gleichgewicht von Sicherheit und Freiheit auseinander. Sie stellen dabei die Frage, was es heute bedeutet, Schutz zu suchen – physisch, psychologisch, spirituell.
Die Gestaltung des Ausstellungsraums, die sich zwischen der Offenheit der Sukka und der Geschlossenheit eines Galerieraums bewegt, verweist dabei auf das Spannungsverhältnis zwischen Schutz und Fragilität. Sie versteht die Sukka als Metapher für temporären Schutz – in Notunterkünften, Schutzbunkern oder improvisierten Rückzugsorten. Fragilität wird hier als Ausgangspunkt einer kollektiven Erfahrung in einer zunehmend von Unsicherheit geprägten Welt verstanden. Die Sukka wird so nicht nur zu einem Schauplatz für Kunst, sondern auch zu einem Ort des Dialogs, an dem Tradition und zeitgenössische Kreativität miteinander verschmelzen. Die Besucher*innen sind eingeladen, die Sukka nicht nur als rituellen Raum, sondern auch als künstlerischen Begegnungsort zu erleben, der die Vielschichtigkeit von Sukkot auf greifbare Weise erlebbar macht. Durch die interaktive Führung und den Austausch mit den Künstler*innen wird die Sukka zu einem lebendigen Ausdruck von Gemeinschaft, Reflexion und Kunst im Einklang mit jüdischen Traditionen.
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wird es ein Künstler*innen-Gespräch geben (Moderation: Daniel Laufer). Musikalische Begleitung von Mascha Raykhman (Masha The Rich Man) Zwischen Schutz und Fragilität" ist Teil der Reihe Dagesh-Studio on the Road und findet in Kooperation mit Dagesh – Jüdische Kunst im Kontext, einem Programm von DialoguePerspectives e.V. mit Unterstützung durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) statt.
Dagesh – Jüdische Kunst im Kontext ermöglicht die Sichtbarkeit vielfältiger künstlerischer Ausdrucksformen von Jüdinnen und Juden. Als Plattform und Netzwerk erkundet Dagesh seit seiner Gründung ein gegenwärtiges, selbstbewusstes und zukunftsgewandtes jüdisches Selbstverständnis.
Eintritt: frei