Auftakt Ringvorlesung- Sichtbare und unsichtbare Spuren jüdischer Kultur in Meißen und Chemnitz.
- 18:15 Uhr
Vortrag von Martin Clauss, Lewis Chuang (Chemnitz) und Christiane Donath (Meißen)
Vielerorts zeugen heute noch erhaltene archäologische Funde von der langen Geschichte jüdischen Lebens in Sachsen. Anhand zweier Beispiele thematisiert der Vortrag, wie jüdische Kultur ihre Spuren hinterlassen hat und wie wir heute mit diesem Erbe umgehen.
Der erste Teil des Vortrags widmet sich den Bruchstücken mittelalterlicher jüdischer Grabsteine mit hebräischen Inschriften in Meißen, die die ältesten überlieferten Sachzeugnisse jüdischen Lebens in Sachsen darstellen. Sämtliche Fragmente stammen vom ehemaligen jüdischen Friedhof auf dem Meißner Jüdenberg, der als zentrale Begräbnisstätte der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde von Meißen und Dresdner diente. Wie man anhand von teilweise nur wenigen Buchstaben zu einer Erzählung kommt, welche tragende Rolle im Kulturerbe diese Steine spielen und wie wir heute mit diesen Schätzen bewahrend umgehen können – diesen Fragen geht der erste Teil des Vortrags nach.
Der zweite Teil richtet den Blick auf die Mikwe in Chemnitz sowie auf das Lern-Lehrprojekt ARCHIVE (Augmented Reality in Chemnitz für historische, inklusive und virtuelle Erlebnisse) der TU Chemnitz.
Christiane Donath, M.A. ist Theologin, Judaistin und Archivwissenschaftlerin. Sie studierte in Leipzig, Halle, Kairo, Jerusalem und Heidelberg. In den Jahren 2002/03 erforschte und publizierte sie „Misnia Judaica – Mittelalterliche hebräische Grabinschriften in Meißen und die Geschichte der Juden in der Mark Meißen bis zum 15. Jahrhundert“ (2004) und „Anfänge Jüdischen Lebens in Sachsen“ im Sammelband Juden in Sachsen (2013). Im Rahmen von Tacheles ist sie Kuratorin der Ausstellung „Jüdisches Leben in Meißen“, welche vom 5.7.- 5.12. 2026 in der Frauenkirche in Meißen zu sehen sein wird. Christiane Donath lebt und arbeitet in Leipzig als Hebräischdozentin an der VHS Leipzig sowie als Religionspädagogin und Schulseelsorgerin beim Ev. Luth. Kirchenbezirk Leipzig. Sie ist Mitglied im Netzwerk „Narrt“, dem Netzwerk für Antirassismus- und Antisemitismuskritische Theologie und Religionspädagogik sowie im Fachnetzwerk gegen Antisemitismus in Sachsen.
Martin Clauss leitet an der TU Chemnitz die Professur für die Geschichte Europas im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.
Lewis Chuang Lewis Chuang ist Professor für Mensch und Technik an der Technischen Universität Chemnitz. Seine Forschungsschwerpunkte im Bereich Mensch-Computer-Interaktion umfassen: Aufmerksamkeits- und Unterbrechungsmanagement, digitales Lernen und digitale Kompetenz sowie assistive Technologien.smac
Ringvorlesung „Jüdische Kultur und Erinnerung im transnationalen Kontext“
Im Rahmen des Themenjahres Tacheles. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 lädt die Ringvorlesung immer Mittwochs, 18:15 im Vortragssaal des smac im Sommersemester 2026 zu einer vielstimmigen Auseinandersetzung mit jüdischer Kultur, Geschichte und Erinnerung ein. Internationale und interdisziplinäre Perspektiven eröffnen Einblicke in jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart – über nationale, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg.
Im Mittelpunkt stehen literarische, historische sowie kultur- und erinnerungstheoretische Fragestellungen, die die Vielfalt jüdischer Erfahrungen, Ausdrucksformen und transnationalen Verflechtungen sichtbar machen. Die Vortragsreihe verbindet aktuelle Forschung mit innovativen Ansätzen und rückt insbesondere die Bedeutung jüdischer Akteurinnen und Akteure für die europäische Moderne und die Erinnerungskultur in den Fokus.
Die Ringvorlesung versteht sich als offenes Forum für Austausch und kritische Reflexion und lädt dazu ein, Kontinuitäten, Brüche und bislang wenig beachtete Leerstellen jüdischer Kulturgeschichte neu zu denken.
Organisiert wird die Ringvorlesung von Prof. Dr. Teresa Pinheiro (Professur Kultureller und Sozialer Wandel, Technische Universität Chemnitz) und Prof. Dr. Cecile Sandten (Professur Anglistische Literaturwissenschaft, Technische Universität Chemnitz), in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, den Tagen der jüdischen Kultur e.V. sowie den Freunden des smac e.V.
Programm
22. April Martin Clauss, Lewis Chuang (Chemnitz) und Christiane Donath (Meißen): Die Chemnitzer Mikwe und die hebräischen Grabsteinfragmente in Meißen
29. April Alexandra Klei (Braunschweig): Immer wieder neu beginnen? Der Architekt Eric Mendelsohn in den USA
6. Mai Monika Heinemann (Leipzig): Von schweigenden und sprechenden Objekten – Familiengeschichte im Museum
13. Mai Nicolas Dreyer (Bamberg): Die Transkulturalität der jüdischen Erzählliteratur des 19. Jahrhunderts
20. Mai Christoph Grube (Chemnitz) und Gunnar Och (Erlangen): „Wir haben keine andere Zeit als diese“ – Verse und Prosa der Mascha Kaléko. Eine kommentierte Lesung
27. Mai: Christian Landrock (Chemnitz): Clowns, Golems und das Feiertags-Gürteltier – Darstellung jüdischen Lebens in den US-amerikanischen Fernsehserien der 1990er Jahre
3. Juni Norbert Haase (Dresden): Der französische Surrealist Robert Desnos – Verfolgtenhilfe, Verfolgung, Gedächtnis
10. Juni Cecile Sandten und Bernadette Malinowski (Chemnitz): Stefan Heyms Debütroman Hostages (1942) (Der Fall Glasenapp, 1958): Anglistisch-Germanistische Perspektiven
17. Juni Marian Nebelin (Chemnitz): Walter Benjamin und Stefan Zweig
24. Juni Nicolas Berg (Leipzig): Anschreiben gegen die ‚Weltverstörung des Nationalismus‘ – Stefan Zweigs Autobiographie Die Welt von gestern (1942)
1. Juli Christina Sanchez-Stockhammer (Chemnitz): Digitale Dialoge mit ZeitzeugInnen des Holocausts: Online ins virtuelle Gespräch kommen
8. Juli Daniel Dost (Chemnitz): Lose Fäden oder Verflechtungen? Zu Genese und Zukunftsperspektiven eines Ausstellungsprojektes über jüdische Familiengeschichten