Vorwort

Das portative Vaterland – die „tragbare Heimat“ – nennt Heinrich Heine die Bücher Moses. Wir wissen, das es viele Heimate gibt. Sie bedeuten vor allem das Gefühl zu Hause, geborgen zu sein, sind häufig Erinnerung an Verlorenes, Sehnsucht nach neuem Glück.

Heimat muß kein Raum sein, Heimat kann ein geistiges Gebäude, kann auch ein Buch sein. Heimat ist aber ein Wunsch nach Gemeinschaft, ein Gemeinschaftsgefühl. Natürlich schafft auch Kultur Heimat, vielleicht eine Insel unter vielen Kulturen. Heimaten werden voneinander abgegrenzt. Sie wird dem Fremden verweigert. Ihr Verlust als demagogische Angst beschworen.

Zum realen Verlust der Heimat kommt dann für den Geflüchteten aus Krieg oder Not die Ablehnung der neuen Umgebung. Einer Verzweiflung folgt die nächste Beängstigung.

Und die Angst vor dem Fremden steigert sich zur Verzweiflung mancher Wutbürger. Für uns ist Heimat ein Ort der Sehnsucht, der Kulturen, der Verständigung und des Verständnisses. Deshalb haben wir die diesjährigen Tage unter das Motto Heimat – Ort der Sehnsucht, Ort der Verzweiflung gestellt.

Egmont Elschner
Vorsitzender Tage der jüdischen Kultur in Chemnitz e.V.