Heimat – Ort der Sehnsucht, Ort der Verzweiflung

Seminar zum Motto 2019

Änderung: Frau Prof. Dr. Julia Bernstein musste leider aus persönlichen Gründen absagen. Es werden Impulse von Herrn Dr. Thomas Feist, dem gerade berufenen Beauftragten für jüdisches Leben in Sachsen, von Frau Etelka Kobuß, der Integrationsbeauftragten der Stadt Chemnitz, von Prof. Dr. Rafi Wertheim, Kiryat-Bialik Israel und von Frau Dr. Ruth Röcher, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Chemnitz gegeben. Anschließend Diskussion. Moderation: Egmont Elschner

Prof. Dr. Julia Bernstein und Prof. Dr. Rafi Wertheim werden in das Thema einführen. Insbesondere Chemnitzer Erfahrungen sollen den Hintergrund der Diskussionen abgeben, die auch die Beiträge während der 28. Tage der jüdischen Kultur einbringen.

Prof. Dr. Julia Bernstein hat die Professur für Diskriminierung und Inklusion in der Einwanderungsgesellschaft an der Frankfurter University of Applied Sciences. Sie erhielt den Scardigli-Preis: Was bedeutet es, als jüdisch-russischer Migrant im Ausland zu leben? Die Kulturanthropologin Dr. Julia Bernstein untersucht diese Frage aus der Perspektive von Konsumgewohnheiten und Alltagsleben russisch-jüdischer Migranten in Deutschland und Israel. Insbesondere die Einkaufs- und Essgewohnheiten nimmt sie als herausragende Praktiken symbolischer Welterschließung und Identitätssicherung in den Blick. Die in Israel geborene Forscherin prüft in ihrer faszinierenden Forschungsarbeit Begriffe wie „Zuhause für Einwanderer“, „Heimat“, „kulturelle Werte des Migranten“, und „Integration“ und definiert diese neu. Sie zeigt, wie Migranten die Widersprüche ihrer multiplen Identitäten bewältigen, was es beispielsweise heißt, ex-sowjetisch siegreich, jüdisch und Holocaustopfer, hochqualifiziert und Sozialhilfeempfänger in Deutschland zu sein. Anhand der Ess- und Konsumgewohnheiten entwirft sie das Bild einer reichhaltigen sozialen Wirklichkeit.

Prof. Dr. Rafi Wertheim hat zweifelsohne Kiryat Bialik zur Heimat, ist aber in der ganzen Welt zu Hause, ständig von Universität zu Institut, von Auftrag zu Auftrag unterwegs. Er ist Mitglied im Vorstand der jüdischen Gemeinde Chemnitz, er war Bürgermeister in Kiryat Bialik.